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HCM oder auch HKM Der folgende Artikel wurde freundlicherweise von Frau Barbara Kirch zusammengefasst und für deutsche Züchter verständlich gemacht!
Am 30.5.2000 hielt Dr. Kittleson in der Tiermedizinischen Fakultät der Universität Utrecht eine Vorlesung über HCM bei Katzen. Die Vorlesung war von der niederländischen "Stichting Felissana" eigens für Katzenzüchter organisiert worden.
Die hypertrophe Cardiomyopathie (HCM) ist bei Katzen seit 8-9 Jahren bekannt.
Die Maine Coon soll nicht als besonders betroffene Rasse herausgestellt werden,
denn es sind auch andere Rassen betroffen. Wesentliche Krankheitszeichen sind
eine Verdickung der Wand der linken Herzkammer (Ventrikel), die sowohl global
als auch regional sein kann (das ist zwischen Rassen und auch zwischen einzelnen
Katzen einer Rasse verschieden), eine Verdickung der Papillarmuskeln, eine
systolische Vorwärtsbewegung der Mitralklappe (systolic anterior movement;
SAM), schließlich eine Vergrößerung der linken Herzkammer und letztendlich
Herzschwäche und Herzversagen. Bei der echokardiographischen Untersuchung
werden die Messungen diastolisch, also bei erschlafftem Herz durchgeführt. Klinische Anzeichen treten erst auf, wenn die Krankheit schon weit fortgeschritten ist. Der Tod durch HCM kann durch drei Mechanismen erfolgen:
HCM bei Menschen: Bei Menschen zeichnet sich die HCM echokardiographisch vor allem durch eine erhöhte Dicke der Wand der linken Kammer und insbesondere eine meist asymmetrische Verdickung des Kammerseptums (Scheidewand zwischen den Herzkammern) aus; auch hier kommt es zu einer SAM, also einem Klappenfehler und einem Herzgeräusch. Im Mikroskop sieht man eine unregelmäßige, unordentliche Anordnung der Muskelfasern, eine Narbenbildung und eine Atherosklerose (Gefäßerkrankung) der kleinen Herzkranzarteriengäste. Das ist eigentlich der Beweis für das Vorliegen einer erblichen Form. Frau Christine Seidmann beschrieb 1952 zuerst eine Form von erblicher HCM bei Menschen, indem sie Untersuchungen an Familienmitgliedern eines erkrankten jungen Mannes durchführte. Seither sind in verschiedenen Familien insgesamt 125 verschiedene Mutationen mit Mutationen an allen 9 verschiedenen Genen gefunden worden, die mit der Herzmuskelbildung zu tun haben (Sarkomergene). Es können Veränderungen auftreten an neun verschiedenen Muskelproteinen (der beta-Myosin Kette, am Troponin T, an Alpha-Tropomyosin, an essentiellen und regulatorischen Leichtketten, am myosinbindenden Protein C, an Actin und einem weiteren Muskelprotein).
Alle Mutationen an den Genen, die die Produktion dieser Muskelproteine
steuern, und die zu HCM führen (die Mutation) sind dominant. Wie konnte man
jetzt belegen, dass durch die entsprechende Mutation auch die Krankheit
verursacht wird ? Die Genmutation resultiert in der Bildung von abnormen Herzmuskelfasern (nämlich genau zur Hälfte entsprechend dem erkrankten Gen), die sich nicht richtig zusammenziehen. Diese Fehlfunktion führt dazu, dass sich die gesunden Herzmuskelfasern mehr anstrengen müssen, damit sich der Herzmuskel zusammenziehen kann. Darauf reagiert das Herzmuskelgewebe, indem sich die Herzmuskelzellen vergrößern und vermehrt versuchen, sich zu teilen. Dummerweise teilen sich dabei auch die 50% kranken Muskelfasern, die sozusagen dem Anteil des kranken Gens entsprechen, auch, so dass der Herzmuskel noch größer wird und noch mehr unnütze, nicht funktionierende Muskelfasern enthält. Das ist auch der Grund, warum reinerbig erkrankte Individuen sofort sterben - sie produzieren schließlich nur falsche Muskelfasern.
Wie fing es mit der Erforschung von HCM bei Katzen an? Eine Dame in Conneticut namens Marcia hatte eine Maine Coon, die an HCM erkrankte. Sie informierte sich über die Krankheit und fand heraus, dass sie bei Menschen erblich ist. Also fragte sie bei der Züchterin nach, aber der war nichts in ihrem Zwinger aufgefallen. Sie ließ aber nicht locker, ging auf Ausstellungen, sprach Leute an, die Geschwister oder Verwandte ihrer Katze hatten und hatte bald 5 verwandte Katzen, die an HCM erkrankt waren, gefunden. Dann ging sie auf Dr. Kittleson zu und fragte ihn, ob er nicht Interesse hätte, dies genauer zu erforschen. Der rückte mit Crew und Echogerät bei der Züchterin in Conneticut an und untersuchte an einem Wochenende sämtliche Zuchtkatzen. Dabei stellte sich heraus, dass von 35 Katzen 7 befallen waren. Das weckte sein Interesse, und er beschloss, sein eigenes Zucht- und Forschungsprogramm auf die Beine zu stellen.
Ein befallener Kater wurde mit drei befallenen Kätzinnen verpaart, die
Kitten wurden behalten, um eine Zuchtkolonie zu gründen. Im Labor hat das aber
nicht so richtig geklappt, der Kater war bereits herzinsuffizient und wollte
nicht decken, obwohl die Katzen rollig waren. Frau Kittleson meinte, das wäre
ja auch kein Wunder, bei den Bedingungen! Menschen wollten es ja auch ein wenig
romantischer haben, mit Kerzenschein und so... Die Zuchtversuche ergaben eindeutig ein autosomal dominantes Vererbungsmuster. Bei der Verpaarung von befallenen mit unbefallenen Katzen ergaben sich
Bei der Verpaarung von befallenen mit befallenen Katzen war es noch schlimmer:
Insgesamt erkrankten etwas mehr Kater als Katzen. Die Katzen starben entweder am plötzlichen Herztod oder an Herzversagen. Tod durch Thromben oder deren Verschleppung wurde bei diesen Katzen nicht gesehen. Bei der Untersuchung der Herzen zeigte sich bei allen Katzen die Unordnung der Herzmuskelfasern und die Artherosklerose der kleinen Koronararterienäste in der Wand, die als Zeichen einer erblichen HCM angesehen werden. Das vorherrschende echokardiographische Zeichen war die Verdickung der Papillarmuskeln (Anmerkung: das sind zwei kegelförmige Muskeln, die in die Herzkammer hineinragen, und an denen die Sehnenfäden der Mitralklappe ansetzen, man kann sich diese Sehnenfäden etwa wie Abspannleinen bei einem Zeltdach oder wie die Seile beim Fallschirm vorstellen). Durch diese Verdickung wird die Klappe während der Saytole (Anspannungs- bzw. Austreibungsphase) nach innen gezogen und schließt nicht richtig. Es kommt zu einem Rückfluss von Blut in den Vorhof, den man dopplerechokardiographisch messen kann ("Farbdoppler"). Außerdem entsteht so das Herzgeräusch. Der Rückfluss und das Herzgeräusch sind abhängig von der Herzfrequenz, also wie schnell das Herz klopft, der Fluss wird stärker und das Geräusch höher, wenn die Katze aufgeregt ist und langsamer bzw. niedriger, wenn die Katze ruhig ist und das Herz langsamer schlägt. Die anderen Teile der Kammerwand waren eher weniger und wenn, dann unregelmäßig verdickt (Grenzwert laut Dr. Kittleson: 5 mm). Insgesamt hielt Dr. Kittleson die Papillarmuskelverdickung und die Klappenveränderung (SAM mit Rückfluss) für entscheidende echokardiographische Kriterien. Die Verdickung der Restwand sei manchmal, vor allem in frühen Fällen, gar nicht so auffällig. Leider konnte er für die Papillarmuskelverdickung keine Grenzwerte nennen, das sei wohl Erfahrungssache. Zu den Fragen: Auf die Frage, was man denn als Züchter machen solle, wenn man vor allem junge Tiere testen lassen will, die am Ende nur ganz geringe Veränderungen haben, gab er zu dass dies ein Problem sei. Deshalb wird an der Entwicklung eines Gentests gearbeitet, denn wenn man das erkrankte Gen gefunden hat bzw. nachweisen kann, kann man in jedem Alter feststellen, ob die Katze HCM vererbt. Bislang werden alle Genorte bzw. Chromosomen, von denen man weiß, dass auf ihnen Mutationen für menschliche HCM liegen, untersucht, aber bisher ist man noch nicht fündig geworden.
Gibt es HCM bei anderen Rassen ? JA! Als Grund für die unterschiedliche Ausprägung der Krankheitssymptome innerhalb einer Rasse wird die Einwirkung von modifizierten Polygenen angenommen. Dr. Kittleson geht davon aus, dass es sich innerhalb einer Rasse immer um dieselbe Mutation handelt, wie bei Menschen innerhalb einer Familie. Eine niederländische Züchterin berichtet von einem Zuchtpaar, inzwischen sechs oder sieben Jahre alt, die selbst keine klinischen oder echokardiographischen Krankheitszeichen haben, aber wohl Würfe mit erkrankten Kitten hatten. Das konnte er nur mit unvollständiger Penetranz des Gens erklären oder damit, dass die Eltern eben nicht genau genug untersucht worden seien. Das sei nochmals ein Grund, endlich den Gentest zu finden, damit eben auch solche Tiere erfasst werden könnten. Eine Neumutation sei eher unwahrscheinlich. Bei der Gelegenheit wurde noch erwähnt, dass ein EKG wohl die Vergrößerung und Erweiterung des Herzens in der Endphase, aber keine frühen Veränderungen oder Papillarmuskelvergrößerung anzeigen könnte und deshalb zu ungenau ist. Kriterien für die postmortale Diagnose von HCM sind vor allem das Herzmuskelgewicht. Die Wanddicke ist nicht so geeignet, da sich der Herzmuskel im Tod zusammenzieht. Normale Katzenherzen wiegen weniger als 20g. Ab 30g bis 40g ist von einer schweren HCM auszugehen (dazwischen liegt wieder einmal eine Grauzone). Wie soll eine Katze behandelt werden, wenn HCM diagnostiziert worden ist? Taurin nützt nichts. Taurinmangel ruft eine ernährungsbedingte dilatative Kardiomyopathie hervor (war früher häufig, bis der Zusammenhang entdeckt und das Katzenfutter entsprechend ergänzt wurde). Eine symptomatische Behandlung ist in der Frühphase mit ß-Blockern und Diuretika möglich, damit das Herz entlastet wird. Man hofft, dass damit auch die Vergrößerungstendenz der gesunden Herzmuskelzellen und damit das fatale Herzwachstum verlangsamt werden. Bei manifester Herzinsuffizienz gibt man ACE (Angiotensin converting enzyme) -Hemmer. Wann soll man testen? Dr. Kittleson empfiehlt, Kater mit zwei Jahren und Katzen mit drei Jahren zu testen. In diesem Alter hätte sich die Erkrankung in der Regel manifestiert bzw. man fände im Echo entsprechende Veränderungen. Es würde eigentlich keinen Sinn machen, früher zu testen (Anmerkung: dies ist ein Zitat!). Wenn die Katzen in diesem Alter frei wären, hätte man eine gute Chance (80%-90%), dass sie kein HCM bekommen, ganz sicher könne man natürlich nie sein. Verläufe mit spätem Auftreten der Symptome wären bei Maine Coon sehr selten. Diese Form der HCM wird nicht durch Ernährung oder Infektionen hervorgerufen, sondern ist eben erblich. © Barbara Kirch Anatomie des Herzens:
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